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Archive for Juli 2009

Fortsetzung von „Temperament“

Szene 2, 19 Uhr:

Eiliger Mensch stürzt in meine Wohnung und sofort auf die offenstehende Therme zu. Freundlich plappert er auf mich ein, während er zackig schraubt und macht und….ja…ich verstehe ihn! Hach.

Während er mir erzählt, dass er noch nicht gepackt hat, obwohl er morgen früh in den Urlaub nach Kroatien fährt und dass man ihm vorgestern seine Geldbörse mit allen Papieren und 3000 Euronen gestohlen hat, er nun keinen Führerschein hat, aber er fährt trotzdem, er riskiert das, weil sonst wär die Vorauszahlung für den Urlaub verloren und man ihm ja bei der Polizei Ersatzpapiere ausgestellt hat, die aber leider nicht im Ausland gelten, sein Handy dreimal klingelt (ich höre eine aufgebrachte Frauenstimme keifen), er arbeitet multitasking-fähig (1 Mann!) weiter und und und (ich atme vorsichtshalber für ihn mit, weil er kaum Luft holt) und schwuppsdiwups….die Gasflamme der Therme zischt auf, ich strahle über alle vier Backen!

10 Minuten hat diese Demonstration handwerklichen Könnens gedauert! Höchstens!

Der eilige Mann schreibt noch schnell die Rechnung, ich zahle den Rest und wünsche ihm einen genialen Urlaub! Ja! Er sei ihm gegönnt! War das nicht eine schöne Erfahrung?

Und wisst ihr Süßen, was ich jetzt tue? Hm? Ja, ihr wisst es *lächelt*

Ich gehe duschen. Lange.

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Ich finde es wirklich zickig, dass keiner meiner handwerklich begabten Freunde und Familienangehörigen mal schnell 1000km zu mir fahren wollte, um meine defekte Therme zu reparieren. Früher, also damals in den Ardennen, hätten die das gemacht. Ok, gut, da waren es auch nur 200m Weg, aber das ist schon ein bißchen sehr kleinlich, oder?

Nachdem meine glänzenden Haare und die verengten Poren durch das eiskalte Wasser mir auch nicht mehr so den absoluten Kick und ekstatisches Wohlbefinden bereiten wollten, hab ich dann heute morgen endlich einen Installateur angerufen, der Zettel mit der Telefonnummer hing im Hausflur.

Er sagte irgendetwas sehr temperamentvolles zu mir und legte dann gleich wieder auf. Ich weiß nicht genau, ob man das Fragezeichen in meinem Gesicht auch noch in Kalkutta sehen konnte und starrte dann noch eine kleine Weile, allerhöchstens 10min bis 2 Stunden irritiert in den Hörer.

Doch plötzlich klingelte mein Handy wieder und der sehr temperamentvolle Mensch wollte wissen, was ich denn für Probleme habe. Munter plauderte ich darauf los und wollte mit ihm einen Termin für die kommende Woche ausmachen. Leider verstand ich nichts von dem, was er mir so im Gegenzug erzählte. Ich tippe auf eine Mixtur aus Wienerisch und…ähm..tja….keine Ahnung! Meine Schultern hingen schon etwas hinunter und in meiner Stimme regte sich sanfte Verzweiflung, als ich endlich die Zauberworte verstand: Heute abend 19 Uhr! Sofort saß ich schlagartig wieder kerzengerade und pries von ganzem Herzen die Wiener Handwerker und natürlich auch Brian!

Wie mein Glück es dann so wollte, konnte ich heute früher Feierabend machen und habe den sehr temperamentvollen Menschen davon informiert. Schließlich wollte ich ihn ja auch zügig in sein wohlverdientes Wochenende entlassen.

Szene 1, 16.30 Uhr:

Temperamentvoller Mensch klingelt, ich lasse ihn ein, er stürzt sich sofort auf meine in Sichtweite hängende Therme und redet ununterbrochen fröhlich auf mich ein, ich nicke fröhlich zurück und verstehe….nichts. Ach, was soll´s, er sieht absolut eifrig aus und eifrige Menschen soll man nicht bremsen. Er öffnet die Therme und jammert. Ich erschrecke, weil jammern nix gut für Portemonnaie und blättere im Geiste schonmal die Euroscheine auf den Tisch. Aber plötzlich gerät er wieder in Rage, holt ein Ding raus (nein, nicht dieses, herrjeh) und pustet mit diesem Ding, welches sich als Gebläse herausstellt (meine Güte, ich denk mir wirklich nichts schlimmes dabei!) volle Möhre in die Therme.

Hmpf.

Nachdem sich der Staubsturm gelegt hat und wir beide wieder atmen können, grinst mich der temperamentvolle Mensch an und erzählt mir was von…Pickerl….Wartung…kaputt….Wasser….Rohren…Hausverwaltung….Kollege….kommt in 1 Stunde. Ich nicke ihm weiter freundlich zu und bete zum Himmel, dass ich mir das Richtige aus den Wortfetzen zusammenreime. Ich bezahle und er verabschiedet sich so schnell wie er kam.

Ich fege den Staub zusammen. Die Therme ist immer noch kaputt.

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Es gibt da bei meinen Handys ein Phänomen.

Und zwar schalten sie sich ab. Ich hab mehrere, genau genommen drei. Ein altes privates, ein neues privates, ein dienstliches. Ich steh gar nicht auf Handys und wollte früher überhaupt gar keins haben, das hat sich zufällig so ergeben….durch den Umzug von Köln nach Wien….durch meinen Job….durch, durch….ach, egal jetzt. Ich hab jedenfalls drei.

Sie schalten sich also ab. Einfach so. Plötzlich. Alle! Nicht gleichzeitig, aber immerhin tun sie es! Abwechselnd, in unregelmässigen Abständen.  Nein, nein, sie sind wirklich voll geladen, ich schwöre! Was also ist das, Zauberei?

Oder haben Handys eine Seele? Spüren sie, dass ich sie eigentlich gar nicht leiden kann? Dass ich keines von ihnen von ganzem Herzen wollte?

Dabei bemühe ich mich wirklich, sie alle gleich zu behandeln, damit sie sich nicht benachteiligt fühlen. Ich werfe sie alle zusammen in meine Tasche, ich hole sie alle gleichzeitig wieder heraus, ich lade sie alle gleichmässig auf. Jedes bekommt die gleiche Zuwendung von mir…öhm…oder wie soll ich es nennen….Egalomanität.

Beinahe jedenfalls *errötet*

Denn seit Wochen, ich beichte es jetzt, ihr sagt es ihnen ja nicht weiter,  starre ich auf das neue private Handy und bete, dass eine Nachricht von GK ankommt. Dabei ist es fast gleichgültig was er schreibt (harhar, geschwindelt), solange er schreibt! Dann leuchten meine Augen, mein Bauch flattert aufgeregt und wie in einem Krimi kurz vor der Auflösung von Hercule Poirot oder meinetwegen auch eines Tatorts bin ich völlig enthusiastisch! Was schreibt er? Werden es Worte der Liebe, erotische Gedanken oder überirdische Komplimente sein? Wird er mich überschütten mit Entschuldigungen dafür, dass er mich verlassen hat? Mich anflehen, anbetteln, ihn zurückzunehmen? *hach*

Und dann lese ich…

„Ich muß ein paar Unterhosen holen, bist du Dienstag da?“ *ich sinke langsam in mich zusammen, meine Mundwinkel wandern nach unten* …“Bei der Gelegenheit nehm ich gleich noch den DVD-Player und ein paar Socken mit“ *schmale Katzenaugen*…“kannst du meine Post herauslegen?“…*mein Bauch flattert nicht mehr aufgeregt, sondern enttäuscht. Mein Enthusiasmus jault nur noch leise herum, er stirbt einen gnadenlosen Tod, die Kamera starrt auf blicklose Augen, die Wange fällt seitwärts in den Staub*…

Heute hat mich mein privates neues Handy wieder einmal provoziert. Na? Dreimal dürft ihr raten! Jaaaa! Es schaltete sich ab, dieses gemeine Biest! Heute morgen, im Büro. Und? Nein. Ich hatte natürlich keine Ahnung, wie meine PIN lautet. Ja, danke der Nachfrage, ich habe den Tag überstanden *wischt sich die Schweißperlchen der Ungeduld von der Stirn und wringt das durchnässte Handtuch aus*

Kaum zuhause, habe ich radikal, radikal (!) das Handy angeschaltet und sehr, sehr zügig die PIN in meine anderen beiden Handys eingegeben, damit es nie mehr zu solch dramatischen Szenen kommt. Meine Kollegen haben dankenswerterweise doch nicht die Männer mit den weißen Kitteln gerufen, nachdem ich ihnen mit angstverzerrtem Gesicht versichert habe, dass es mir gut geht. Wirklich gut. Das panikartige Zittern geht vorüber, ganz sicher!

Und da war sie…die SMS von GK, von dem ich schon zwei Tage kein Wort gehört hatte. Das Szenario beginnt wieder wie oben beschrieben: Meine Augen leuchten….usw.

Ich lese:

„Ich denke ganz fest an dich…Du fehlst mir und ich würd mich freuen wenn wir bald wieder was gemeinsam unternehmen….Ich küsse dich“

Ich sollte meinen Handys öfter Blumen mitbringen. Nicht nur zum Jahrestag.

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Ich bin Teamleiterin von 17 mehr oder weniger motivierten Mitarbeitern. Und nun dachte ich heute, ich locker mal ein bißchen den Tag auf und frage per Mail rund, welche Assoziationen Ihnen zu dem Wort himmlisch einfallen (auf die Idee hat mich ein Beitrag hier gebracht). Es kamen auch ein paar Antworten, zum Beispiel:

Die Ausschüttung eines Glückshormoncocktails bestehend aus Dopamin, Endorphinen und einer Prise Adrenalin. Einklang mit mir selbst und meiner Umwelt resultierend aus Zufriedenheit (J.P., Langstreckenläufer).

oder

Himmlisch ist für mich, den warmen Wind zu spüren und zu hören, das Rauschen der Wellen und des Meeres oder eines Bächleins, der Duft des Herbstes, des Sommers und des Frühlings, das Morgenrot nach einer kalten Winternacht, das Funkeln der Sterne in einer klaren Nacht (J.R.).

oder

Nächste Woche ein paar Tage frei zu kriegen und im Moment ein ungelesenes In Touch (M.M., Studentin)

oder

Am Strand liegen, sich sonnen und das Meerwasser an den Füßen spüren (Y.K.)

oder

Schokolade und 4 Wochen Urlaub am Strand (Z.Y.)

oder

für mich bedeutet es u.a. bei heisser Sonne im Wasser auf dem Rücken zu treiben, mich ganz leicht zu fühlen, in den Himmel zu schauen, in den Ohren nur das leise Rauschen des Wassers und alle Geräusche sind gedämpft, matt, meilenweit entfernt. Und sich dann einfach keine Sorgen um nichts zu machen…einfach atmen und sich treiben lassen… (Irodeschi)

Ob alle anderen, die nicht geantwortet haben, die Mail gleich gelöscht haben? Ob sie einen Gedanken daran verschwendet haben, was himmlisch für sie bedeutet? *schulterzuck* ich weiß es nicht. Dann war meine Idee vielleicht vergeblich. 

Aber wenn nur der eine oder die andere sich einen Moment lang sehr, sehr wohlgefühlt hat und sich diese himmlischen Momente vorstellen konnte, dann habe ich doch schon etwas erreicht, oder?

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Die SMS von GK gestern hat mich schon wieder völlig aus dem Gleichgewicht gebracht. Ich schaffe es zwischendurch immer so schön, nicht an ihn zu denken und mein neu erzwungenes Single-Leben ganz toll zu finden. Ist es eigentlich auch. Toll. Schließlich schaut niemand zu, wenn ich nackig durch die Wohnung turne, weils mir so heiß ist. Keine abschätzenden Blicke streifen meine Beine, um irgendwo unter dem Speck Kniescheiben zu entdecken, niemand schnarcht, niemand bringt meine desolate Hausarbeit noch weiter zur Strecke. Ich kann ganz einfach machen was ich will! Toll, toll!

Manchmal denke ich ernsthaft darüber nach, ob ich ihn überhaupt zurückwill? Seine Schulden, sein Desinteresse an meinen Freunden, meiner Familie, an so vielem. Ich glaube ab und zu, er hat mich nie richtig geliebt. Gemocht, geschätzt, gerne mit mir gelebt, ja. Aber geliebt? Er hat nicht ein einziges Mal in unserer gemeinsamen Zeit meine Hand gehalten, mich öffentlich umarmt. Geküsst eher zögerlich und neutral. Sind wir nie ausgegangen, weil er sich für mich geschämt hat? Er streitet das ab.

Aber einer seiner Trennungsgründe war, dass wir nichts unternommen haben. Nichts. Dabei wollte ich das am Anfang unserer Zeit unbedingt, ich war unternehmungslustig, wollte Wien kennenlernen, war gewichtsmässig auf dem richtigen Weg. Aber wenn ich fragte, dann hatte er Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Rückenschmerzen. Ich war enttäuscht, irgendwann resigniert und dann habe ich mich abgefunden, dass er es eben nicht mochte, wollte.

Es ist super, wenn dieses Nichtstun dann im Nachhinein kritisiert wird. Da kommt man sich schon sehr verulkt vor. Daumen hoch!

Ich bin in einer fatalen Situation. Ich bin wirklich einsam hier in dieser Stadt. Wie schon erwähnt, die meisten Kollegen sind Sauertöpfe, ich kenne weder die Stadt, noch weiß ich, wohin ich guten Gewissens ausgehen kann. Alles was mich theoretisch interessiert, hat meist ein jüngeres Publikum und geh da mal alleine hin, ohne dass die alle denken, du kommst dein Kind abholen und sie dich dann mit Tomaten und Eiern bewerfen. Ich habe in zwei Jahren hier so gut wie nichts gesehen, keine Kneipen, keine Clubs, kaum Restaurants, nichts. Freiwillig. Nun hab ich meine Quittung. Ich Idiotin.

Manchmal wünsche ich GK zum Teufel. Aber er ist verdammt sexy.

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Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch in irgendeiner Weise süchtelt. Manche mehr, manche weniger.

Der Begriff Sucht oder süchtig ist von Haus aus eher negativ belegt, nicht wahr?

Ich meine, ich bin süchtig nach ganz verheerenden Dingen wie Schokolade,  Nikotin, ähm…Sex, Musik, um nur die wichtigsten zu nennen. Sozusagen das Paradebeispiel eines schrecklich undisziplinierten Menschen.

Warum kann ich nicht verrückt nach Salat, Sport, einer super geputzten Wohnung oder sonstigen sozial anerkannten Süchten sein? 

Was prägt uns, was bringt uns dazu diesen oder jenen Weg einzuschlagen und nur durch die Verschiebung von Prioritäten im Laufe des Lebens bestimmte Süchte hinter uns zu lassen und neue Ersatzsüchte, wie zum Beispiel exzessives Rasenmähen, Pudel züchten oder Ameisen vermessen zu finden?

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Wir haben uns neulich im Kollegenkreis über Models auf Laufstegen unterhalten und dabei war zum Beispiel Yvonne, die vor Jahren von einem Modelscout angesprochen wurde.

Sie ist wirklich sehr, sehr attraktiv und schlank, aber halt „normal“ schlank. Als sie mit ihrem Vater damals in die Agentur kam, wurde ihr als erstes ein Ernährungsplan vorgelegt, weil sie zu schwer sei. Yvonne samt Vater haben sich kurz an die Stirn getippt und sind wieder gegangen. Wenn man nun weniger selbstbewusst und gefestigt ist, kann ich mir gut vorstellen, dass man diesen Unsinn mitmacht, um Aussichten auf eine eventuelle Karriere zu haben. Da fragt man sich wirklich, wer macht denn da überhaupt die Regeln? Wirklich die Frauen, die die Kleider kaufen, die dort vorgeführt werden?

Zwischendurch im Laufe der Jahre blitzt ja immer ein Hoffnungsschimmer auf Normalität auf, wenn tatsächlich einmal eine normal- oder sogar übergewichtige Frau en vogue war, wie zuletzt Beth Ditto, die anderweitig polarisiert.

Mich freut der Erfolg der etwas anderen Werbekampagne von Dove und ich frage mich dabei ernsthaft, warum niemand vorher diesen Mut und das Vertrauen in die Kunden hatte?

(Fast) Jeder echauffiert sich darüber, dass derart magere Damen weder besonders ansehnlich wirken, noch ein positives Vorbild für eßgestörte Menschen sind. Aus welchem Grund reagiert niemand, nicht ein einziger Modemacher (soweit ich weiß) auf diese Meinung? Weil das Geld der kauflustigen Minderheit dieser Haute-Couture-Schauen immer noch von „Mode-Ikonen“ wie zum Beispiel Frau Beckham fliesst? Hmpf.

Und dabei möchte ich gleich noch etwas loswerden. Als selbst ja mehr als wohlgerundete Person kaufe ich seit Jahren bei der Firma U.P. für Übergrößen ein. Zu Beginn waren in den Katalogen Models vertreten, die durchaus als übergewichtig galten, was für mich als Käuferin wunderbar war, weil ich mir die Kleidung prima an meiner Figur vorstellen konnte und besser beurteilen konnte. Inzwischen sind wir auch in deren Katalog bei sehr schlanken Models angelangt. Was soll das? Was hilft es mir, wenn die Kleidung in Gr. 38 superb aussieht und bei einer dicken Frau wie eine Karnevalsverkleidung? Ich protestiere! Lauthals! So!

Back to the roots please!

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